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Bernau: DNS:Net und Pÿur im Vergleich

Seit rund einem Jahr ist an meiner Adresse in Bernau bei Berlin neben dem VDSL2-Vectoring-Angebot von DNS:Net auch Internet via TV-Kabel (DOCSIS) von Pÿur verfügbar. Seit Juni 2021 bin ich Pÿur-Kunde, lange genug um ein Zwischenfazit zu ziehen.

Die Anbieter-Fritz!Box von Pÿur. Leider nur äußerlich unverändert.

DNS:Net

Lange Zeit war DNS:Net der einzige Anbieter, der mehr als 6 MBit/s im Downstream versprach. Auch jetzt sind schnellere Geschwindigkeiten beispielsweise bei der Telekom nur in Verbindung mit einer LTE-Verbindung möglich:

Das enttäuschende Telekom-Angebot in Bernau

Die Frage nach einem anderen Anbieter stellte sich mir also beim ursprünglichen Vertragsabschluss mit DNS:Net nicht, denn schnelle Spieledownloads, Videotelefonate oder HD-Streaming waren nur hier möglich. Verkauft hat mir DNS:Net damals 250 MBit/s im Downstream, 40 MBit/s im Upstream für knapp 50€ monatlich (inklusive Router und Apple TV Streaming-Box). Die Upstream-Geschwindigkeit wurde zuverlässig erreicht, im Downstream habe ich nie mehr als 110 MBit/s erreichen können.

Mittlerweile verkauft DNS:Net an meiner Adresse nur noch bis zu 175 MBit/s (für rd. 50€, nun aber ohne Modem/Router oder Apple TV):

Das lokale DNS:Net-Angebot

Obwohl ich grundsätzlich ein Freund lokaler Unternehmen bin, war ich auch jenseits der Geschwindigkeit oft unzufrieden. Verbindungsabbrüche waren keine Seltenheit, wurden aber immerhin recht zügig behoben (außer, die Abbrüche fielen in die Nachtstunden – hier dauerte es oft bis zum nächsten Morgen).

Die Verträge hatten jeweils 2-jährige Mindestlaufzeiten, bei einem Wechsel startete diese erneut. Obwohl DNS:Net ein Ticketsystem betreibt, erfolgten Rückmeldungen bei Schwierigkeiten immer telefonisch.

Positiv hervorzuheben war die zeitgemäße Leih-Hardware: Apple TV und Fritz!Box 7530. Letztere wurde mit der original AVM-Firmware ausgeliefert, so dass auch Updates am Erscheinungstag eingespielt werden konnten.

Pÿur

Pÿur bietet an meiner Anschrift bis zu 400 MBit/s an. Pÿur ist dabei die genutzte Marke, der tatsächliche Vertragspartner ist die Primacom Berlin GmbH. Der schnellste Tarif kostet hier 44€ monatlich, langsamere Tarife sind günstiger:

Pÿur-Angebote an meiner Anschrift

Ich habe mich beim Wechsel für den Tarif mit 200 MBit/s entschieden. Die Installation wurde innerhalb einer Woche zum angegebenen Termin durchgeführt.

Eine WLAN-Router/Modem-Kombination wird von Pÿur kostenlos bereitgestellt, die Software hier war aber stark veraltet und es waren auch keine Updates verfügbar. Kein einziger der vorkonfigurierten DynDNS-Anbieter funktionierte, teils existierten die Anbieter gar nicht mehr.

Die Nutzung eines eigenen Kabelmodems schlug ebenfalls fehl. Eigene Geräte müssen durch den Kabelnetzbetreiber im Netz registriert und aktiviert werden. Pÿur bietet hierzu lediglich ein Self-Service-Portal an. Dieses lieferte zumindest an meinem Endpunkt jedoch nicht funktionsfähigen JavaScript-Code aus: Das entsprechende Formular kann nicht übermittelt werden, der Klick auf den entsprechenden Button führt zu einer Fehlermeldung in der Browser-Konsole:

Defektes Modem-Aktivierungsportal von Pÿur

Auch mit anderen Browsern (sogar mit dem guten, alten Internet Explorer habe ich es versucht), nach Löschen sämtlicher Browserdaten, im Inkognito-Modus kein Erfolg.

Während bei anderen Kabelnetzbetreibern der Kundendienst die entsprechende Aktivierung durchführen kann, war der Kundendienst von Pÿur leider nutzlos. Außer ein paar allgemein gehaltenen Tricks zur Verwendung von Fritz!Boxen kam von dort keine passende Rückmeldung, die Aktivierung war weiterhin unmöglich. Die Mitarbeiter waren zwar jeweils sehr höflich, aber leider nicht hilfreich.

Irgendwann habe ich die Hoffnung aufgegeben, mein eigenes Modem verwenden zu können und bei Pÿur für weitere 3€ monatlich eine Fritz!Box 6660 Cable bestellt, welche dann auch nach wenigen Tagen ankam und wie erwartet funktioniert.

Leider hat Pÿur die Firmware angepasst, so dass Updates nicht sofort nach Bereitstellung durch den Hersteller AVM bezogen werden können, sondern hier auf Pÿur gewartet werden muss. Außerdem sind einige Standard-Fritz!Box-Funktionen nicht verfügbar. Aufgefallen ist mir hier insbesondere, dass keine eigenen VoIP-Anbieter genutzt werden können (nur vorkonfigurierte Pÿur-Telefonnummern).

Meine Kundenservice-Erfahrung bei Pÿur war also grottig. Aber stimmt denn immerhin die Leistung? Ja, definitiv. Die versprochenen 200 MBit/s im Downstream (und auch die leider etwas mageren 8 MBit/s im Upstream) werden bei mir zu jeder Tages- und Nachtzeit erreicht. Ich habe hierzu regelmäßige Speedtests auf einem kleinen Raspberry Pi 4 laufen lassen, welcher direkt mit dem Router verbunden ist.

Speedtest-Ergebnisse vom heutigen Tag

In dem guten halben Jahr, in dem ich nun bei Pÿur Kunde bin, gab es keinerlei Ausfälle.

Fazit

Obwohl mir DNS:Net grundsätzlich sympathischer ist, so ist der Anbieter doch deutlich teurer, die Leitung langsamer & störanfälliger und die Vertragslaufzeit sehr lang. Dafür ist der Kundendienst hilfsbereit und deutlich kompetenter als bei Pÿur (nur der telefonische Kontaktweg etwas nervig und nicht wirklich barrierefrei).

Bei Pÿur hingegen war der Kontakt mit dem Kundendienst leider sehr enttäuschend. In allen anderen Aspekten dagegen gefällt mir Pÿur deutlich besser. Höhere Geschwindigkeit, stabilere Verbindung, günstigere Preise und kurze Vertragslaufzeiten.